Kubatur

5771 mᶟ

Baubeginn

Mai 2011

Fertigstellung

Mai 2012

ArchitektIn / Achitektenteam

Gschwind Architekten AG

Bauingenieur

E.S. Pulver Bauingenieure AG, Kreuzgasse 8, 3860 Meiringen

ARCHITEKTUR
Das Grimseltor bildet für die Gemeinde Innertkirchen ein zentraler Infrastrukturbau und Treffpunkt für die einheimische Bevölkerung sowie den Tourismus. Im Wettbewerbsprogramm formulierte die Bauherrschaft Ihre hohen Erwartungen an das Dorfzentrumsgebäude wie folgt: „Gesucht wird ein Gebäude mit starker Ausstrahlung, ein architektonischer Blickfang. Es soll sich von den ortsüblichen Bauten abheben in der Materialisierung aber den regionalen Charakter wiedergeben. Es ist Aufgabe Lage und Ausdruck des neuen Gebäudes so zu wählen, dass es im Zusammenspiel mit dem gewünschten Dorfplatz zum neuen Herz des Dorfes werden kann.“
Die imposante Naturkulisse erforderte einen Baukörper mit einer starken physischen Präsenz, welcher mit der Landschaft in einen Dialog tritt und gleichzeitig identitätsstiftender Teil des gebauten Dorfes wird. Der Dorfplatz und das Gebäude bilden  zusammen ein offenes Gefäss, welches jedoch erst durch die aktive Bespielung durch den Nutzer das Potential zum „neuen Herz des Dorfes“ erhält. Der Baukörper findet seine städtebauliche Logik nicht aus dem gebauten Kontext, vielmehr bildet die allgegenwärtige Präsenz der monumentalen Felsformationen mit deren Atmosphären, je nach Witterung und Jahreszeit, sowie die kulturelle Prägung des Ortes durch die Bauten der Passstrassen und der Wasserkraftnutzung die Basis der architektonischen Intervention.


TRAGWERK
Das statische Prinzip des Gebäudes basiert auf dem Bestreben der prägenden Physis der Betonhülle, eine im wörtlichen Sinne tragende "Rolle" zu geben. Die massive Aussenhaut aus Beton trägt die Holzdachkonstruktion. Im zweigeschossigen Bereich werden die Zwischendecken von einer inneren Tragschale getragen, wodurch die äussere Schale keinen Kräften infolge Temperaturverformung und keinen bauphysikalisch problematischen Durchdringungen ausgesetzt wird. Die Gebäudegeometrie welche bindend in der Logik der Tragfähigkeit armierten Betons entwickelt ist, lotet die Belastungsgrenze des Materials aus ohne jedoch Materialsonderqualitäten zu beanspruchen, bewusst wird das „Tragwerk“ mittels frei gesetzten Stützen ergänzt. Die Stellung der Stützen befreit die Ecke der polygonalen Abwicklung des Gebäudes und führt die einzelnen Wandelemente in ein sich gegenseitig bedingendes Gleichgewicht.


BETON
Durch die Materialität Ortbeton entsteht ein monolithischer Körper welcher sich mit den umgebenden Felswänden, sowie den winterlichen Schneeflächen optisch verknüpft und dem Gebäude eine changierende Physis im Lauf der Tages- und Jahreszeiten verleiht. Der Weisszement und die weisse Pigmentierung nobilitiert den Werkstoff Beton weg von der Konnotation als Material der präsenten Infrastrukturbauwerke der Bergregion zum repräsentativen Kunststein. Die Vielfalt der Erscheinungsform des Betons wird als schalungsglatte aufgespannte Membrane für die Fassade, als mechanisch gestockter Belag des Dorfplatz, als geschliffener Industrie-Terrazzo Belag in den öffentlichen Innenräumen, und als Thekenmöbel erlebbar.


NACHHALTIGKEIT
Das Gebäude wurde im Minergie Standard geplant jedoch ohne Lüftung ausgeführt. Mit der Planung wurde ein Konzept zur Realisierung eines Wärmeverbundes Innertkirchen entwickelt welcher Abwärme der Wasserkraftturbinen als Heizenergie aktiviert. Übergangsweise wurde eine Grundwasser-Wärmepumpe installiert. Nebst den ästhetischen Vorzügen des Weissbetons wirkt sich die Verwendung von Weisszement für die Hülle positiv auf die Grauenergiebilanz des Gebäudes aus.

GRIMSELTOR, INNERTKIRCHEN